Für ein Soziales Zentrum in Göttingen

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Hartzreform, Gesundheitsreform, Rentenreform, Sozialhilfereform, Bildungs- und Ausbildungsreformen, Offensive für mehr Ausbildungsplätze, Steuerreform, Reform der Handwerksordnung - all dies sind mehr oder weniger bekannte Begriffe, die uns in der letzten Zeit das Fürchten lehren sollten. Wir sollen gefügig für den Standort Deutschland auf Einkommen und Freizeit, auf Lebensperspektiven und Gesundheit, kurz: auf ein für uns lebenswertes Leben verzichten.
Statt dessen sollen wir zu UnternehmerInnen unserer Selbst werden und dafür vielleicht ein paar Brosamen des von uns produzierten Reichtums abbekommen - wenn wir Glück haben. Und wenn wir dieses Glück nicht haben, werden wir dem institutionellen Terror der neuen Bundesagentur für Arbeit oder der Sozialämter übergeben. Diese sollen uns gefügig, als BilligarbeiterInnen ausbeutbar machen und dafür Sorge tragen, dass wir möglichst wenig der von uns bezahlten Steuergelder verbrauchen, weil diese den nicht steuerzahlenden Konzernen des Standorts Deutschland gegeben werden sollen. Mit unserer Armut sollen wir ihren Reichtum schaffen.

Wir haben lange genug gewartet: Den sozialen Angriffen, die seit einigen Jahren immer mehr unserer Lebensqualität beschnitten haben, beginnen wir jetzt die Antwort zu geben, die sie verdient haben. Und dies geschieht bundesweit in Demonstrationen gegen den Sozialabbau, in Kampagnen gegen Polizeigewalt, in Aktionen gegen Ämterschikanen. Aber neben den Kampagnen, Demonstrationen und einzelnen Aktionen brauchen wir Orte, an denen wir den alltäglichen Widerstand gegen behördliche Schikanen organisieren und unterstützen können. Orte, an denen wir uns und andere informieren können, an denen wir diskutieren können, an denen wir uns stärken und vorbereiten können um die sozialen Angriffe kontinuierlich zu bekämpfen, um die Möglichkeiten für ein besseres Leben zu schaffen.

Das Soziale Zentrum Göttingen soll ein Ort sein, an dem all dies und noch viel mehr passiert. Es soll ein Ort sein an dem wir nicht nur über die Ungerechtigkeiten der Welt lamentieren und darauf hoffen, dass alles nicht so schlimm wird und uns irgendwer erlöst. Ein Ort an dem nicht nur Resolutionen beschlossen werden und Appelle, die sich damit begnügen zu sagen, dass etwas nicht stimmt. Es soll statt dessen ein Ort der praktischen Gegenwehr, des Widerstandes gegen den sozialen Angriff sein. Und es soll ein Ort sein, an dem Menschen Unterstützung in ihrem alltäglichen Kampf um ihre Rechte und ihr Leben bekommen, ohne dass sie dafür etwas leisten müssen. Das Soziale Zentrum Göttingen soll ein Ort der praktischen Solidarität und des Widerstandes sein für alle Menschen, die sich gegen ihre Ausbeutung, Entrechtung und Beleidigung wehren und wehren wollen.

Das Soziale Zentrum Göttingen versteht sich als Teil des internationalen Kampfs um Emanzipation und ein besseres Leben. Es steht an der Seite aller Flüchtlinge, LandbesetzerInnen und Streikenden, die gegen Ausbeutung und das Kapital und für ein besseres und gleiches Leben und Überleben aller Menschen kämpfen.

Einladungs-Flugblatt zur Initiative für ein Soziales Zentrum (pdf, 64 kb)


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