Streikende Arbeiter und Arbeiterinnen der Opelwerke in Bochum!
Wir als Soziales Zentrum Göttingen solidarisieren uns mit Eurem Kampf.
Wir solidarisieren uns mit den Arbeitern, Arbeiterinnen und ihren Familien, die gegen die sozialen Angriffe Widerstand leisten.
Euer Kampf dieser Tage hat uns gezeigt, dass es nur mit eigener Entscheidung und Selbstorganisierung, ohne die Gewerkschaftsfunktionäre/innen erfolgreich voran gehen kann.
Das Prinzip der Stellvertreterpolitik führte immer und immer zu Manipulationen der Basis und zu Passivität, wie man es bei DaimlerChrysler, VW usw., und jetzt auch bei Opel erlebt hat.
Die Gewerkschaftsfunktionäre/innen und Betriebsräte versuchen, mit den Politikern/innen mit einem sogenannten "Sanierungsplan" ihre "sozialpartnerschaftliche Pflicht" gegenüber dem Arbeitgeber/innen zu erfüllen und Euch zu spalten. Dies haben sie nun auch mit ihrer Inszenierung der Abstimmung im Kongresszentrum noch einmal unter Beweis gestellt. Als ob die Alternative heißen würde: Streik oder Verhandlung! Und dies in einer Situation, in der die Konzernleitung mit dem Rücken zur Wand stand! Die Gewerkschaftsfunktionäre versuchen so, den Beschäftigten das Heft des Handelns aus der Hand zu schlagen.
Der Streik ist das einzig wirksame Mittel als Reaktion auf den gegenwärtigen Sozialabbau und die immer dreister werdenden Angriffe der Arbeitgeberseite.
Der Kampf in Eurem Betrieb, schon nach den ersten 6 Tagen, ist ein ermutigendes Signal und wichtige Erfahrung für die Kolleginnen und Kollegen in allen anderen Betrieben.
Der Wettbewerb der multinationalen Konzerne für ihre sicheren Profite wird auf dem Rücken der lohnabhängigen Menschen ausgetragen.
Mit solchen Lohnsenkungen und Arbeitszeitverlängerungen hat bereits DaimlerChrysler vor kurzem begonnen. Die Abwärtsspirale wurde in Gang gesetzt. Heute ist es GM, wer ist der Nächste? VW in Deutschland oder Fiat in Italien? Die Textilindustrie in Indien oder Südkorea?
Dagegen sollten wir uns national und international durch gegenseitige Unterstützung zur Wehr setzen und nicht gegenseitig ausspielen und spalten lassen. Diese internationale Solidarität ist nötig und möglich.
Der Kapitalismus spricht eine immer gnadenlosere Sprache. Jeder Einzelne von uns kann in naher Zukunft seinen Arbeitsplatz verlieren und - dank Hartz IV- im Laufe der Zeit in materieller Armut leben.
Daraus wird immer deutlicher, dass wir diese Auseinandersetzung nur gewinnen und bestehen können, wenn wir die Kämpfe in den Fabriken und in der Gesellschaft gegen die Hartz-Gesetze nicht getrennt voneinander, sondern als zwei Seiten ein und derselben Medaille betrachten.
Erwerbstätige und Erwerbslose müssen sich daher in ihren Kämpfen gegenseitig die Hand geben.
Wir entsenden Euch solidarische Grüße aus Göttingen!
Anmerkung:
Einige am Sozialen Zentrum Göttingen beteiligte Leute finden, dass diese Soliadresse einen zu belehrenden Ton hat.
Weil jedoch evtl. auch einige gute Sachen darin stehen und nicht zuletzt, weil sie nun einmal tatsächlich an die Streikenden bei Opel Bochum geschickt worden ist, wird sie hier dokumentiert.