Die entlassenen Arbeiter der Teheraner Busgesellschaft sind in einer
bemitleidenswerten Lage
Gespräch von Davoud Khodabaksh mit Ebrahim Madadi, Deutsche Welle
Die Bemühungen der Arbeiter und Busfahrer der Teheraner
Busgesellschaft zur Rückkehr an ihre Arbeitsplätze dauern mit
Unterstützung ihrer Gewerkschaft an. Auch Maßnahmen der Justiz wurden
gegen sie eingeleitet und unter dem Vorwurf der Störung der Ordnung
vor Gericht zitiert.
Einer der Betroffenen ist Herr Ebrahim Madadi, Mitglied des
Vorstands der Arbeiter der Busgesellschaft. Die Deutsche Welle
befragte ihn über die Situation der von der Busgesellschaft
Entlassenen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und den
durchschnittlichen Verdienst eines Beschäftigten bei der
Busgesellschaft.
Ebrahim Madadi: Unmittelbar nach einer persönlichen Vorsprache der
Entlassenen beim Ministerium am 15. Juli 2006 und der darauf
folgenden Diskussion einer Gruppe der Entlassenen, darunter ich, mit
einem Zuständigen des Ministeriums kam es zur Verhaftung von acht
Personen noch im Ministerium, darunter auch ich. Durch das
Sicherheitspersonal der Busgesellschaft wurden schnell weitere
Entlassene herbeigerufen und diese unter Druck, durch
Einschüchterung und Verängstigung zu einer schriftlichen
Verpflichtungserklärung gezwungen. Sie wurden unter diesen
Bedingungen zurück an die Arbeit geschickt. Aber etwa 55 der
Unterstützer wird unter Verstoß gegen die herrschenden
Bestimmungen noch immer das Recht auf Weiterbeschäftigung verwehrt.
Auch heute sind wir bei der Arbeitsverwaltung Teheran-Ost
vorstellig geworden und seit 10 Uhr morgens halten sich dort etwa
50 Arbeiter auf und fordern von den Zuständigen die Verfolgung ihrer
Anliegen.
Frage: Eine Frage, Herr Madadi, diese 55 Personen, von denen Sie
sprachen, die nun rausgeflogen sind und kein Einkommen haben, wie
bestreiten die jetzt ihren Lebensunterhalt?
Ebrahim Madadi: Diese Arbeiter, die seit dem Winter 2005 ihre
Beschwerde bei der Arbeitsverwaltung eingereicht haben, sind
gegenwärtig leider aufgrund mangelnder gesetzlicher Vorschriften von
jeglichem Lohn oder Bezahlung ausgeschlossen. Einige von ihnen
versuchen ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihres Hausrats zu
bestreiten, andere leihen sich Geld von Familienangehörigen oder sie
bekommen Hilfe von hilfsbereiten Menschen - alle allerdings unter
größten Entbehrungen und Schwierigkeiten. Ein weiterer Punkt, der
den auf ihnen lastenden Drück noch erhöht, ist, dass ihre
Mitgliedsbücher der Gesundheitsversicherung aufgrund ihrer
Arbeitslosigkeit abgelaufen sind. Jetzt stehen diese Arbeiter und
ihre Angehörigen vor Schwierigkeiten bei der ärztlichen Versorgung
und bei Medikamenten. Einige von ihnen Angehörigen haben bestimmte
Krankheiten, was die Probleme noch verstärkt.
Frage: Nun zur letzten Frage, der Lohn der Fahrer und Arbeiter der
Busgesellschaft, die noch beschäftigt sind, wie hoch liegt der im
Durchschnitt?
Ebrahim Madadi: Der Mindestlohn in unserem Lande beträgt, wie
allgemein bekannt, 150.000 Tuman (ca. 140 Euro, d.Übs.) wobei die
Arbeiter normalerweise, weil dieser Lohn nicht ausreicht, Mehrarbeit
leisten müssen oder einer zweiten Tätigkeit nachgehen müssen, damit
sie das Lebensnotwendigste verdienen können. Von einem Lohn kann eine
Arbeiterfamilie nicht leben. Die Fahrer der Busgesellschaft haben
normalerweise noch eine weitere Arbeit, wie andere Arbeiter auch.
Frage: Wieviel zahlt die Busgesellschaft einem Fahrer normalerweise?
Ebrahim Madadi: Schauen Sie, ein Arbeiter oder Fahrer mit
dreißigjähriger Berufserfahrung erhält ungefähr 230.000 Tuman, von
denen er noch Steuern und Versicherung abführen muss. Wenn man noch
die verschiedenen Raten abzieht, mit denen er seine Schulden bezahlen
muss, bleibt zum Leben kaum etwas übrig. Die Armutsgrenze, die von
der Zentralbank für das 2004/05 berechnet wurde liegt ungefähr
zwischen 300 und 350.000 Tuman. Der Abstand zum durchschnittlichen
Verdienst bei der Busgesellschaft ist also ziemlich groß.