Lohnbetrug bei der Bäckerei Ruch & Gerhardy

Redebeitrag bei der Anti-G8-Demo am 19.05.2007

Am Samstag, den 31.3.07 und am Samstag, den 7.4.07 haben jeweils 20 bis 30 Personen vor der Filiale der Bäckerei Ruch in der Groner Strasse protestiert. Auch heute stehen wir aus gutem Grunde hier vor Ruch.
Die Geschäftsführung der Feinbäckerei Ruch & Gerhardy hat mindestens drei Beschäftigten den Lohn um 30 % gekürzt. Begründung für diesen Schritt: Die Beschäftigten waren ordnungsgemäß krankgeschrieben. Geschäftsführer Thorsten Ruch erklärt dazu gegenüber dem GT, dass er sich bewusst sei, dass er arbeitsrechtlich nicht korrekt handle. Es habe ihm aber einfach gereicht, seine Toleranzgrenze sei überschritten.

Ruch & Gerhardy befinden sich in einer Umstrukturierung, mit der die Arbeitszeit verdichtet, sprich die Arbeitshetze erhöht werden soll. Am Schluss soll dann natürlich von weniger Beschäftigten die gleiche Arbeit wie vorher erledigt werden. In den einzelnen Schichten ist es schon zu einem Personalabbau gekommen. Seit mindestens Ende letzten Jahres setzt die Geschäftsführung die Angestellten mit Briefen unter Druck, in denen sie bspw. aufgefordert werden, nicht mehr krank zu machen und bei einer Grippe statt dessen Grippemittel zu nehmen.
Auf einer Betriebsversammlung hat Thorsten Ruch den Beschäftigten auch gesagt, warum sie mehr arbeiten sollen: Er hat ihnen vorgerechnet, wie viel sie mehr arbeiten müssen um seinen neuen Porsche zu finanzieren.

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust hat dazu geführt, dass weder die 3 Betroffenen, noch andere MitarbeiterInnen sich gegen dieses selbstherrliche Verhalten der Geschäftsführung offen wehren.
Mit seinem Verhalten hat Thorsten Ruch und die Geschäftsführung von Ruch & Gerhardy gezeigt, dass ihnen das Recht vollkommen egal ist und sie sich nicht daran halten, wenn es ihnen nicht passt. Einzig das Recht des Stärkeren interessiert sie offensichtlich.

Ruch ist nur ein Beispiel von vielen. Ruch steht für die aktuelle Entwicklung in der BRD, die es dem Kapital scheinbar ermöglicht, mit der Drohung des Arbeitsplatzverlustes alle möglichen Verschärfungen der Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die Beschäftigten sind eingeschüchtert und trauen sich nicht sich dagegen offensiv zu wehren.

Es gibt aber auch immer häufiger Beispiele, dass die Beschäftigten anfangen sich dagegen zu wehren. Siehe Cinemaxx, Gate Gourmet, Bosch-Siemens-Hausgerätewerk etc. In vielen dieser Orte hat es sicherlich so angefangen wie bei Ruch: Einzelne Beschäftigte waren unzufrieden, haben sich zunächst individuell gewehrt oder dem alltäglichen Stress durch krankfeiern entzogen usw. Das Buch über Gate Gourmet kann da für uns sehr lehrreich sein. Hier wird beschrieben, wie sich aus dem alltäglichen Fabrikleben nach und nach ein Widerstand gegen diesen Angriff von oben und schließlich gegen die Arbeit überhaupt entwickeln kann. Und es wird gezeigt, wie sich eine radikale Linke, die es ernst meint mit dem Anspruch diese Gesellschaft verändern zu wollen, verhalten kann.

Eine Kritik, die beobachtend und theoretisch bleibt, trägt nichts zur Veränderung dieser Gesellschaft bei und verlängert die ganze Scheiße nur. Wir fordern alle Menschen, die diese Gesellschaft nicht nur kritisieren, sondern verändern wollen, dazu auf, sich in diese Konflikte einzumischen.

Wer gegen die G 8 demonstriert, muss auch gegen die Umsetzung der globalen Ausbeutungspolitik im Lokalen agieren.

Wir gehen nicht unter in Niederlagen, sondern in Kämpfen die wir nicht führen.

Heiligendamm ist überall - auch in Göttingen.

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