Am Samstag, den 31.3.07 und am Samstag, den 7.4.07 haben jeweils 20
bis 30 Personen vor der Filiale der Bäckerei Ruch in der Groner
Strasse protestiert. Auch heute stehen wir aus gutem Grunde hier vor
Ruch.
Die Geschäftsführung der Feinbäckerei Ruch & Gerhardy hat mindestens
drei Beschäftigten den Lohn um 30 % gekürzt. Begründung für diesen
Schritt: Die Beschäftigten waren ordnungsgemäß krankgeschrieben.
Geschäftsführer Thorsten Ruch erklärt dazu gegenüber dem GT, dass er
sich bewusst sei, dass er arbeitsrechtlich nicht korrekt handle. Es
habe ihm aber einfach gereicht, seine Toleranzgrenze sei überschritten.
Ruch & Gerhardy befinden sich in einer Umstrukturierung, mit der die
Arbeitszeit verdichtet, sprich die Arbeitshetze erhöht werden soll.
Am Schluss soll dann natürlich von weniger Beschäftigten die gleiche
Arbeit wie vorher erledigt werden. In den einzelnen Schichten ist es
schon zu einem Personalabbau gekommen. Seit mindestens Ende letzten
Jahres setzt die Geschäftsführung die Angestellten mit Briefen unter
Druck, in denen sie bspw. aufgefordert werden, nicht mehr krank zu
machen und bei einer Grippe statt dessen Grippemittel zu nehmen.
Auf einer Betriebsversammlung hat Thorsten Ruch den Beschäftigten
auch gesagt, warum sie mehr arbeiten sollen: Er hat ihnen vorgerechnet,
wie viel sie mehr arbeiten müssen um seinen neuen Porsche zu
finanzieren.
Die Angst vor Arbeitsplatzverlust hat dazu geführt, dass weder die
3 Betroffenen, noch andere MitarbeiterInnen sich gegen dieses
selbstherrliche Verhalten der Geschäftsführung offen wehren.
Mit seinem Verhalten hat Thorsten Ruch und die Geschäftsführung von
Ruch & Gerhardy gezeigt, dass ihnen das Recht vollkommen egal ist und
sie sich nicht daran halten, wenn es ihnen nicht passt. Einzig das
Recht des Stärkeren interessiert sie offensichtlich.
Ruch ist nur ein Beispiel von vielen. Ruch steht für die aktuelle
Entwicklung in der BRD, die es dem Kapital scheinbar ermöglicht, mit
der Drohung des Arbeitsplatzverlustes alle möglichen Verschärfungen
der Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die Beschäftigten sind
eingeschüchtert und trauen sich nicht sich dagegen offensiv zu wehren.
Es gibt aber auch immer häufiger Beispiele, dass die Beschäftigten
anfangen sich dagegen zu wehren. Siehe Cinemaxx, Gate Gourmet,
Bosch-Siemens-Hausgerätewerk etc. In vielen dieser Orte hat es
sicherlich so angefangen wie bei Ruch: Einzelne Beschäftigte waren
unzufrieden, haben sich zunächst individuell gewehrt oder dem
alltäglichen Stress durch krankfeiern entzogen usw. Das Buch über
Gate Gourmet kann da für uns sehr lehrreich sein. Hier wird
beschrieben, wie sich aus dem alltäglichen Fabrikleben nach und nach
ein Widerstand gegen diesen Angriff von oben und schließlich gegen
die Arbeit überhaupt entwickeln kann. Und es wird gezeigt, wie sich
eine radikale Linke, die es ernst meint mit dem Anspruch diese
Gesellschaft verändern zu wollen, verhalten kann.
Eine Kritik, die beobachtend und theoretisch bleibt, trägt nichts zur
Veränderung dieser Gesellschaft bei und verlängert die ganze Scheiße
nur. Wir fordern alle Menschen, die diese Gesellschaft nicht nur
kritisieren, sondern verändern wollen, dazu auf, sich in diese
Konflikte einzumischen.
Wer gegen die G 8 demonstriert, muss auch gegen die Umsetzung der
globalen Ausbeutungspolitik im Lokalen agieren.
Wir gehen nicht unter in Niederlagen, sondern in Kämpfen die wir
nicht führen.