Im Foyer der Göttinger Arbeitsagentur hat heute die erste Vollversammlung von Erwerbslosen stattgefunden. Organisierte Erwerbslose und die sogenannte Laufkundschaft diskutierten anhand persönlicher Erfahrungsberichte die Auswirkungen von Hartz IV. Wie einzelne TeilnehmerInnen berichteten, werden bereits jetzt Menschen per 1 €-Job zu völlig unnützen Tätigkeiten gezwungen, anderen wird mit Umzugszwang gedroht. Hinzu kommen schlechte Behandlung bei den »FallmanagerInnen«, Depressionen, Angst und Verzweiflung. Auch der aktuelle Fall eines Selbstmordes eines Erwerbslosen in Baden-Württemberg kam zur Sprache. Eine Teilnehmerin: »Sie behandeln eine wie Dreck - es wird Zeit, dass wir uns selbst organisieren und unsere Stimme erheben.«
Auf Grund eines vorbereiteten Textes verfassten die Versammelten eine Resolution und sammelten Forderungen, die auf der nächsten Versammlung diskutiert werden sollen. Diese Forderungen bringen zum Ausdruck, dass Erwerbslose Armut, Ausgrenzung und Erniedrigung nicht länger kleinlaut hinnehmen werden.
Der Geschäftsführer der Agentur, Herr Wiechens, ließ die Vollversammlung von der Polizei überwachen und verneinte auf Anfrage einen Anspruch von Erwerbslosen auf Räumlichkeiten in seinem Hause. Er erklärte, originäre Aufgabe der Agentur sei Arbeitsvermittlung und Auszahlung von Leistungen. Für eine weitergehende Unterstützung der Betroffenen fühle er sich nicht zuständig.
Am Ende wurde vereinbart, sich am kommenden Mittwoch, 24.11.2004, 10:00 Uhr, am selben Ort wieder zu treffen.